
| Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die nicht noch eine Diät suchen, sondern verstehen wollen, warum ihr Körper tut, was er tut. Wenn du begreifen möchtest, warum Abnehmen manchmal trotz „richtiger“ Ernährung nicht funktioniert – und wie man den Körper wieder auf Zusammenarbeit statt Widerstand einstellt –, lohnt es sich, weiterzulesen. |
Abnehmen wird häufig auf eine einfache Gleichung reduziert: weniger essen, mehr bewegen. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass nachhaltiger Gewichtsverlust kein reines Kalorienproblem ist, sondern vor allem ein metabolischer Prozess des Fettgewebes. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Energie zugeführt wird, sondern in welchem Stoffwechselmilieu diese Energie verarbeitet wird. Faktoren wie Fettqualität, Entzündungsstatus, Insulinsensitivität und die mitochondriale Leistungsfähigkeit bestimmen maßgeblich, ob Fett gespeichert oder verbrannt wird.
Ein zentrales Missverständnis liegt in der Annahme, Fett sei ein einheitlicher Nährstoff. Tatsächlich unterscheiden sich Fettsäuren grundlegend – in ihrer Struktur, ihren Stoffwechselwegen und ihren metabolischen Effekten. Der Körper reagiert auf unterschiedliche Fettsäuren nicht gleich. Ob Fett bevorzugt zur Energiegewinnung genutzt oder im Fettgewebe gespeichert wird, hängt wesentlich davon ab, welchen Weg es im Stoffwechsel nimmt.
Besonders deutlich wird dies beim Vergleich von mittelkettigen Fettsäuren (MCT) und langkettigen Fettsäuren. MCT gelangen direkt über die Pfortader in die Leber und werden dort rasch oxidiert, also zur Energiegewinnung genutzt. Die Wahrscheinlichkeit einer Speicherung im Fettgewebe ist gering. Langkettige Fettsäuren hingegen werden über das Lymphsystem transportiert, zunächst im Fettgewebe verteilt und erreichen die Leber zeitverzögert. Der Transportweg entscheidet damit maßgeblich über die Wirkung: Verbrennung oder Speicherung.
Ob diese Wege tatsächlich zur Oxidation führen, hängt jedoch nicht allein von der Fettart ab, sondern vom metabolischen Milieu. Fette können gespeichert oder verbrannt werden – welche Route dominiert, wird durch den Insulinstatus, das Entzündungsniveau und die Verbrennungskapazität der Mitochondrien bestimmt. Ein entzündeter, insulinresistenter Stoffwechsel begünstigt Fettspeicherung selbst dann, wenn die Kalorienzufuhr moderat ist. Abnehmen ist deshalb weniger eine Frage der Disziplin als der Stoffwechselregulation.
In diesem Zusammenhang spielt die Unterscheidung zwischen weißem und braunem Fettgewebe eine zentrale Rolle. Weißes Fettgewebe dient primär der Energiespeicherung. Gerät es durch chronische Überernährung, Stress oder Bewegungsmangel unter Dauerbelastung, wird es entzündlich aktiv, reagiert schlechter auf Insulin und gibt gespeicherte Energie nur noch eingeschränkt frei. Braunes Fettgewebe hingegen ist reich an Mitochondrien und auf Oxidation spezialisiert. Es verbrennt Fettsäuren aktiv zur Energie- und Wärmeproduktion. Abnehmen gelingt leichter, wenn der Stoffwechsel funktionell eher dem „braunen Programm“ als dem entzündeten weißen Fettgewebe ähnelt.
Hier wird auch die Rolle der Kohlenhydrate verständlich. Kohlenhydrate sind nicht per se problematisch, beeinflussen jedoch das Stoffwechselmilieu über den Insulinspiegel. Chronisch erhöhte Insulinwerte fördern die Einlagerung von Fett im weißen Fettgewebe, hemmen die Fettfreisetzung und können entzündliche Prozesse verstärken. Nicht die Kohlenhydrate selbst sind das Problem, sondern ihre Wirkung in einem bereits dysregulierten Stoffwechsel. In einem gesunden, flexiblen System können Kohlenhydrate hingegen bedarfsgerecht genutzt werden.
Eine besondere Stellung unter den Fetten nehmen Omega-3-Fettsäuren und CLA (konjugierte Linolsäuren) ein. Omega-3-Fettsäuren wirken nicht primär als Energieträger, sondern als biologische Signalstoffe. Sie sind entzündungsauflösend, verbessern die Insulinsensitivität und beruhigen das Fettgewebe. Dadurch wird gespeichertes Fett wieder metabolisch zugänglich. CLA wirken eher lokal auf die Fettzellfunktion und können das Speicher- und Freisetzungsverhalten beeinflussen.
Ein oft übersehener limitierender Faktor ist die mitochondriale Kapazität. Die eigentliche Fettverbrennung findet in den Mitochondrien statt. Ist ihre Funktion eingeschränkt, können Fettsäuren selbst bei ausreichender Verfügbarkeit nicht effizient oxidiert werden. Die Folge ist weitere Speicherung, metabolische Trägheit und Erschöpfung – unabhängig von Kalorienmenge oder Trainingsumfang. Abnehmen scheitert daher häufig nicht an zu viel Fett, sondern an zu wenig Verbrennungskapazität.
Vor diesem Hintergrund wird klar, warum sich problematisches weißes Fettgewebe nicht zuverlässig über Körpergewicht oder BMI erkennen lässt. Entscheidender ist die Frage, ob das Fettgewebe Energie freigeben kann, wenn sie benötigt wird. Hinweise auf ein blockiertes System zeigen sich im Alltag durch schnelle Ermüdung, Heißhunger, Energietiefs zwischen Mahlzeiten, geringe Trainingsanpassung oder Gewichtszunahme bei Stress und Schlafmangel. Auch Stoffwechselmarker wie erhöhte Insulinwerte, Triglyzeride oder Entzündungsmarker können auf ein entzündetes Fettgewebe hinweisen.
Die Unterstützung des Körpers zielt nicht auf schnellen Fettabbau, sondern auf die funktionelle Wiederherstellung des Fettgewebes. Zentrale Hebel sind die Reduktion von Entzündung, die Verbesserung der Insulinsensitivität, die gezielte Zufuhr hochwertiger Fette – insbesondere Omega-3 – sowie der Aufbau mitochondrialer Leistungsfähigkeit durch Bewegung, Regeneration und Stressreduktion. Kohlenhydrate werden dabei nicht verteufelt, sondern kontextabhängig eingesetzt, um metabolische Flexibilität zu fördern.
Am Ende zeigt sich ein klarer Perspektivwechsel: Abnehmen ist kein aktiver Kampf gegen Fett, sondern die Folge eines Stoffwechsels, der wieder gelernt hat, Energie flexibel zu speichern und freizugeben. Wird das Fettgewebe funktionell reguliert, folgt der Gewichtsverlust oft von selbst – als sichtbarer Ausdruck verbesserter metabolischer Gesundheit, höherer Energieverfügbarkeit und gesteigerter körperlicher wie mentaler Leistungsfähigkeit.
ÜBER DEN AUTOR

Ralph Hillmer
Ralph Hillmer ist Experte für Epigenetik & Sport Mentaltraining und hat bereits in zahlreichen Coachings und Trainings sein Wissen unter Beweis gestellt. In diesem Blog erfährst du mehr über seine Expertise.
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